
Ausstellungsplakat Meistens Blau
DIE FERNE IST EIN SCHÖNER ORT...
Berge oder Meer — diese Urlaubsfrage aller Fragen hat Jürgen Balitzki klar entschieden. Er mag keine Barrieren, er braucht den uneingeschränkten Blick, und so treibt ihn die Sehnsucht immer wieder aufs Meer, auf Gewässer, hinein in Landschaften, weit hinaus, wo sich Erde, Wasser und Himmel begegnen in einem unermesslich-vielschichtigen Blau: meistens Indigo.
Das Blau ist unser Begleiter auf einer Reise der Augen. Was uns faszinieren oder beunruhigen kann beim Betrachten dieser Bilder, ist die Ahnung eines DAHINTER, die Lust auf ein DAHINTER, die gestillt sein will. Meistens.
„Die Ferne ist ein schöner Ort, doch wenn man da ist, ist sie fort”, sang Tamara Danz. Und so bleibt der Maler an Land, im Sicheren, an Uferzonen, Stränden, Küsten, in Häusern, hinter den Häusern. Dieser Maler ist kein rucksacktragender Abenteurer. Er ist ein Schauender, der aus sicherer Distanz auf ungeheure Horizonte unter unendlich weiten Himmeln blickt.
Blau hat einen Klang. Meistens.
Wer Musik liebt, sich in und mit der Musik auskennt wie dieser Maler, weiß wohl auch, wie Farben klingen. Seine Bilder sind hörbar. Meistens. Und wer inmitten dieser Ausstellung über den Klang der Farbe Blau nachdenkt, gerät auch zu den Großen der bildenden Künste. Rot ist für den Bauhäusler Johannes Itten körperhafte Materie, statisch und schwer und quadratisch. Gelb ist kämpferisch und aggressiv, mit schwerelosem Charakter, dreieckig. Das Blau erscheint entspannt und bewegt, kreisförmig, für Wassily Kandinsky ist Blau eine konzentrisch zurücktretende Farbe und ihr Klang tief und dunkel, kraftvoll, sehnsüchtig, bewegt.
Jeder Tag verabschiedet sich mit der blauen Stunde in die Nacht. Meistens macht es uns glücklich, machen wir „blau” oder sind es. Symbolistische Bühnendichter ließen den blauen Vogel fliegen und das zentrale Symbol der Romantik war die blaue Blume. Was wäre die Welt, wäre sie blau?
Holger Kuhla
Laudatorin Dr. Sigrid Strachwitz